© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. www.jungefreiheit.de 52/18 / 21. Dezember 2018

Aufgeschnappt
Wertgeschätzte Vielfalt
Matthias Bäkermann

Politische Botschaften im öffentlichen Raum sind in totalitären Gesellschaften kein unbekanntes Phänomen. Ein keckes „Vorwärts zum XII. Parteitag“-Schild machte den tristesten DDR-Plattenbau zum Hingucker, und ein quietsch-rotes Plakat mit der Losung „Frieden und Sozialismus“ hübschte jedes noch so leere Schaufenster auf.

Diesem Prinzip eifern Oberhausens Stadtväter jetzt nach. Ein „Künstlerkollektiv“ war schnell zur Hand, um dieser wahrhaft unterschätzten Perle des Ruhrgebiets „ein neues, leuchtendes Wahrzeichen“ zu liefern, wie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung vergangenen Freitag im Jubelton vermeldete. Weithin sichtbar ist nun vom 60 Meter hohen Dach des verwahrlosten „City-Hochhauses“ an der Friedrich-Karl-Straße „Vielfalt ist unsere Heimat“ zu lesen, abends sogar LED-beleuchtet. „Das steht für Toleranz und Respekt, für Solidarität und Zusammenhalt“, lobt Christopher Stark sein Gegen-Rechts-Projekt. Zudem will der Künstler die „meist von der Grundsicherung lebenden Bewohner wertschätzen“ und den 70er-Jahre-Bau, über den „viele in der Stadt die Nase rümpfen, von seinem schlechten Ruf befreien“. Zumindest Vielfalt ist hier Programm, da Menschen „aus allen erdenklichen Ländern dort wohnen“, wie ein naserümpfender Oberhausener Bürger der JF verrät.