© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. www.jungefreiheit.de 52/18 / 21. Dezember 2018

Zitate

„Soweit ich sehe, hat bisher noch niemand verlangt, daß es in einschlägigen Texten nun auch konsequent ‘Mörder und Mörderinnen’, ‘Diebe und Diebinnen’, ‘Verbrecher und Verbrecherinnen’ heißen müsse. In diesen Fällen möchten Frauen wohl lieber nicht eigens erwähnt werden, weil sie nicht selten ganz gern eigentlich die besseren Menschen sein möchten gegenüber den Männern. Fällt das nicht vielleicht auch unter ‘Rassismus’, als gruppenbezogenes Minderwertigkeitsurteil, hier also Sexualrassismus?“

Richard Schröder, evangelischer Theologe und SPD-Mitglied, in der „Welt“ vom 12. Dezember 2018





„Der Brexit wirkt inzwischen, als würde er vom Berliner Senat geplant.“

Verena Mayer, Journalistin, auf Twitter am 12. Dezember 2018





„Die Krise der Demokratien hängt auch mit der Herausbildung dieser relativ geschlossenen Politikerschicht zusammen, einer Herrschaftselite. Früher gab es erfahrene Arbeiter, Unternehmer, Lehrer und Handwerker im Bundestag, heute kaum noch. Wer in die Elite aufsteigt, bleibt, falls er oder sie will. Ein Posten findet sich immer. Viele Wähler wünschen sich ein anderes Personal, eines, das mehr weiß über ihre Sorgen und sie nicht beschimpft. Politiker sollen ein Anwalt ihrer Wähler sein, nicht ihr Oberlehrer. AKK hat die Einführung einer Dienstpflicht angeregt. Hilfreich wäre allerdings auch eine Dienstpflicht für alle, die sich um Spitzenämter bewerben. Sie sollten fünf Jahre ihres Lebens ihr Geld außerhalb der Politik verdient haben. Die „Erneuerung“, von der SPD und CDU träumen, würde sich dann womöglich einstellen.“

Harald Martenstein, Kolumnist, im „Tagesspiegel“ online am 16. Dezember 2018





„Ich glaube, daß die Begrifflichkeit ‘fremd’ verbunden mit ‘Angst’ etwas benennt, was sehr menschlich ist. Eine Skepsis vor Fremden löst bei Menschen eine Sorge aus, ob sich die Dinge zum Schlechteren wenden. Und in diese Sorge hinein muß die Politik reinargumentieren mit Lösungen, mit Verständlichmachen, mit Argumenten, und ich sehe ein Totalversagen der Erklärkultur unserer Politik. Es wird nicht erklärt oder debattiert, sondern diffamiert.“

Claus Strunz, TV-Moderator, in der ARD-Sendung „hart aber fair“ am 17. Dezember 2018





„Der Bür­ger grollt und schweigt – bis zur ge­walt­sa­men Ent­la­dung, und zwar ge­gen die Staats­spit­ze, die nicht hört, wie es im Un­ter­grund ru­mort. Ein je­des Mal wird die Re­gie­rung to­tal über­rascht. War­um brüllt das Volk, wenn wir im Na­men der Staats­rä­son das Rich­ti­ge und Gu­te tun? Weil ihm sonst nie­mand zu­hört. Das ist ein ewi­ges Ri­tu­al. Das Volk ist frei­lich nicht nur Op­fer. Die Bür­ger ha­ben ge­lernt, wie schwach der Staat in Wahr­heit ist. Fast je­der Auf­ruhr hat ihn be­zwun­gen, Pri­vi­le­gi­en be­wahrt und Wan­del ver­ei­telt. Nor­ma­le Re­gie­run­gen wer­den durch die Ge­wal­ten­tei­lung ein­ge­hegt, in Frank­reich er­setzt die Ran­da­le die Checks and Ba­lan­ces, die Stra­ße das Par­la­ment. In Deutsch­land geht es lang­wei­li­ger zu, aber das ist bes­ser so.“

Josef Joffe, Herausgeber der „Zeit“, in der „Zeit“ vom 13. Dezember 2018