© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. www.jungefreiheit.de 52/18 / 21. Dezember 2018

Merz-Vorschlag: Aktien als Altersvorsorge
Nur gut gemeint
Thorsten Polleit

Der CDU-Politiker Friedrich Merz bringt ein wichtiges Thema neu ins Gespräch: Die Deutschen sollen Aktien für ihre Altersvorsorge kaufen; und das sollte, so fordert Merz, steuerlich begünstig werden.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, sein Geld in Aktien anzulegen. Denn dadurch kann jeder an der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung teilhaben. Vor allem in Zeiten des Niedrigzinses, in denen die von den Deutschen so geliebten Schuldpapiere als Anlageklasse mehr oder weniger ausscheiden. Allerdings – und das gilt es zu bedenken – ist die Aktienanlage kein bedingungsloses Erfolgsrezept.

Es kommt darauf an, die „richtigen“ Aktien zu kaufen. Schließlich scheitert so manches Unternehmen, oder es entwickelt sich unterdurchschnittlich. Wer dort investiert, kann relative oder absolute Verluste erleiden.

Zudem hängt der Erfolg der Anlage entscheidend davon ab, zu günstigen Preisen zu kaufen. Wird der Unternehmensanteil zu teuer erworben, bleibt der Investitionserfolg aus. Vorkenntnisse sind also nötig, um zum Erfolg zu gelangen. Gänzlich unerfahrene Anleger sollten mit nachweislich erfolgreichen Investoren zusammenarbeiten.

Zu bedenken ist die Marktkapitalisierung des deutschen Aktienmarktes von derzeit nur 1,7 Billionen Euro. Die Deutschen halten allein unverzinsliche Giro-, Termin- und Spareinlagen im Betrag von etwa 3,8 Billionen Euro. Würde nur ein geringer Teil davon in Aktien umgeschichtet, würden die Kurse durch die Decke gehen. Die Papiere wären schnell überbewertet – und viele Sparer würden eine enttäuschende Rendite einfahren.

So muß die Vorgabe lauten: nicht nur in den deutschen Markt investieren, sondern die Anlage weltweit streuen. Die Internationalisierung der Anlage ist auch deshalb wichtig, weil der Anleger so die Chance bekommt, am künftigen Wachstum der Weltwirtschaft teilzuhaben, und sich nicht der Wirtschaftsentwicklung seines Heimatlandes ausliefert.

Die Aktien zur Vorsorge mit Steuervergünstigungen zu versehen, andere Anlageformen hingegen nicht, ist allerdings fragwürdig. Zielführend scheint es, die Steuerbelastung auf Kapitalerträge grundsätzlich zu senken. 

So wird es den Sparern erleichtert, ihre Altersvorsorge eigenverantwortlich aufzubauen: Denn je weniger der Staat sich in Form von Ertragssteuern bei den Sparern bedient, desto mehr bleibt dem Pensionär schließlich am Ende übrig. 

Eine „steuerliche Lenkung“ durch den Staat braucht es nicht: Im andauernden Niedrig- beziehungsweise Negativzinsumfeld werden die Sparer noch ganz von selbst die Vorteilhaftigkeit des weltweiten Aktieninvestments für sich entdecken.






Prof. Dr. Thorsten Polleit ist Volkswirtschaftler und Präsident des Mises-Instituts.

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