© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. www.jungefreiheit.de 52/18 / 21. Dezember 2018

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer: „Wir schaffen das!“
Musik in Merkels Ohren
Markus Brandstetter

Kurz vor Weihnachten hat der Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer noch mal so richtig in die Harfe gegriffen und ein Weihnachtslied zum Thema Flüchtlinge und Integration angestimmt, das süß und traut in den Ohren klingt – nur leider falsch ist. In einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen bekundet Kramer: „Von mehr als einer Million Menschen, die vor allem seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, haben heute bald 400.000 einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz, die große Mehrheit ist in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, und sie sind damit integriert.“

Klingt schön. Nur haben Kramers Zahlen mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Allein im Jahr 2015 sind 2,1 Millionen Nichtdeutsche nach Deutschland eingewandert, davon kamen 900.000 aus Ländern außerhalb Europas, während 1,2 Millionen Migranten aus EU-Ländern waren. Seit 2010 sind 12,2 Millionen Menschen nach Deutschland eingewandert, mehr als die Hälfte davon, nämlich 6,7 Millionen, kamen seit dem Jahr 2015.

Kramer unterstellt weiter, daß mehr als jeder dritte einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz gefunden habe – ein frommer Weihnachtswunsch. Zwei von drei Flüchtlingen aus den acht Hauptfluchtländern Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Eritrea und Somalia beziehen Hartz IV, während der Rest sich mit Aushilfsjobs als Lagerarbeiter, Küchenhelfer oder Reinigungskraft über Wasser hält – Arbeitsverhältnissen, die oft nach Monaten schon wieder in der Arbeitslosigkeit enden. In toto liegt die Beschäftigungsquote aller Flüchtlinge bei 27 Prozent, während sie bei Deutschen 68 Prozent beträgt. Da mehr als die Hälfte aller Flüchtlinge ein niedriges Bildungsniveau hat, brauchen sie oft zehn Jahre und mehr, bis sie endlich eine stabile Beschäftigung gefunden haben. Wer das hört, empfindet Kramers fröhliches Fazit „Wir schaffen das mit der Integration“ als seltsam mißtönend und töricht.