© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. www.jungefreiheit.de 52/18 / 21. Dezember 2018

CD-Kritik: L’Arpeggiata, Christina Pluhar
Himmel auf Erden
Jens Knorr

Der pythagoreischen Idee folgend, Kosmos, Mathematik und Musik aufeinander und allesamt auf eine göttliche Ordnung zu beziehen, brachten Musiker des Frühbarock den Himmel auf Erden zum Klingen, jeder nach seinen Fähigkeiten. Die durften allemal hingelangt haben, um mit Himmelsmusik, wenn nicht dem Schöpfer, so doch zumindest dem Brotherrn zu gefallen, jedem nach seinen Bedürfnissen.

Christina Pluhar und ihr Ensemble L’Arpeggiata sind in der deutschsprachigen Sakralmusik fündig geworden, bei den Großen Heinrich Schütz und Johann Christoph Bach, aber auch bei den Kleinen Johann Theile, dem „Vater der Contrapunctisten“, Crato Bütner aus Danzig, dem in Stockholm, Dresden und Hamburg wirkenden Christian Ritter, Antonio Bertali aus Wien, Philipp Heinrich Erlebach aus Rudolstadt, Franz Tunder aus Lübeck und Johann Rudolf Ahle aus Mühlhausen. 

Die Gesangssolisten lassen sich von einer Begleitmusik tragen, die ohne Hast und Schleifen ihre Bahnen zieht, voran Céline Scheen mit alterslos außerweltlicher und Philippe Jaroussky mit gealterter, unsteter Sopranstimme. Johann Sebastian Bachs geistliches Konzert „Komm süßer Tod“ BWV 478 beschließt die Himmelsmusiken. Die alte Weise in Brudersphären Wettgesang hat sich ausgetönt, Geschichte bricht in die Musik ein und ihre moderne Geschichte an.

L’Arpeggiata Christina Pluhar  Himmelsmusik Warner Classics 2018  arpeggiata.com