© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. www.jungefreiheit.de 52/18 / 21. Dezember 2018

Blick in die Medien
Der Bock als Gärtner
Tobias Dahlbrügge

Die omnipräsenten „Falschmeldungen“ sorgen für Konfusion im Nachrichtendschungel. Ausgerechnet ein obskurer Verein namens „Lie Detectors“ will dem entgegensteuern. Die Gründerin Juliane von Reppert-Bismarck ist Mitglied des Expertengremiums „Fake News“ der Europäischen Kommission und schrieb zuvor unter anderem für das Wall Street Journal. Gründungsmitglied Wilfried Rütten war früher Leiter des European Journalism Centre und arbeitete für RTL und die Deutsche Welle. Finanziert wird das Projekt von der Wyss-Stiftung des Schweizer Milliardärs Hansjörg Wyss, einem ehemaligen Chrysler-Manager, der sich für eine engere Bindung der Schweiz an die EU einsetzt.

In Deutschland kooperiert der Verein ausgerechnet mit der „Tagesschau“.

Die Lügendetektoren arbeiten mit „Journalisten aus anerkannten Fachmedien“ und Absolventen „anerkannter Journalistenschulen“. Diese bieten Schulen kostenlos eine 90minütige Lehrveranstaltung an. Inhalte sind „verschiedene Arten von Falschmeldungen“ und „die politischen Hintergründe von Fake News“: „Hausaufgaben und Folgematerial versetzen die Kinder in die Lage, ein vertieftes Verständnis für einseitige Berichterstattung zu entwickeln.“ „Lie Detectors“ habe „kein Interesse daran, jungen Menschen zu sagen, was sie denken sollen“. Iwo auch! Wer hätte sowas vermutet? In Deutschland kooperiert die Propaganda-Kompanie mit der „Tagesschau“. Das Anstaltsformat meldet: „Dafür besuchen Redakteure Schulen, um mit den Kindern und Jugendlichen zu trainieren, wie man wahre von falschen Nachrichten unterscheidet.“ Ob da auch die Verzerrungen, Halbwahrheiten und Auslassungen der „Tagesschau“ beispielsweise zum Ukrainekonflikt, zur Ausländerkriminalität oder zu „Rechtspopulisten“ kritisch untersucht werden?

Kinder benötigten den selbsternannten Lügendetektoren zufolge „eine Nachrichtenkompetenz, damit sie nicht alles ‘schlucken’, was man ihnen vorsetzt“. Fragt sich nur, wer hier die fremden Onkels mit dem Bonbon sind.